Annelise Schmid

Der gute Geist der Villa Sträuli

Seit 2005 ist Annelise Schmid Leiterin der Villa Sträuli und sorgt sich um das Haus, die Mitarbeitenden und die Gäste. Nun steht dem Projekt Villa Sträuli eine etwas ungewisse Zeit bevor

«Ich konnte aus dem Vollen schöpfen», sagt Annelise Schmid über ihre Anfangszeit als erste und bisher einzige Leiterin der Villa Sträuli. Sie erhielt lediglich ein sehr offenes Konzept vorgelegt, was man mit dem Haus machen könnte und wusste um den Wunsch der Stifterin Doris Sträuli-Keller, dass das Haus der Kultur zur Verfügung stehen sollte. So entstand 2005 die Villa Sträuli wie wir sie heute kennen: als Ort, an dem Kultur, Artists in Residence und Kulinarisches zusammengehört.

Annelise Schmid ist perfekt für diesen Job. «Mir liegt am Herzen, dass das Haus ein Treffpunkt für Leute ist, die sich für Kunst und Kultur interessieren.» Doch wenn sie die Villa ohne Einschränkung nutzen könnte, gäbe es doch eine kleine Änderung: «Ich würde das Haus noch mehr öffnen, den Betrieb erweitern zu einem Kulturhaus mit ganztägigen Öffnungszeiten unter Einbezug der lokalen und regionalen Kunst», sagt die Leiterin, «aber vielleicht ist das gar nicht gefragt.» Denn in Winterthur sei das Kulturangebot im Vergleich zur Nachfrage eigentlich zu gross.

Dieses ungleiche Verhältnis könnte dem Projekt Villa Sträuli nun tatsächlich zum Verhängnis werden. Die Erhaltung und der Betrieb der Villa Sträuli ist der Zweck der Stiftung Sulzberg Winterthur. Bis anhin hat hauptsächlich die Stiftung die Kosten übernommen. Nachdem jedoch die Stiftungsaufsicht nach der Strategie gefragt hat, kam es zum Entscheid, dass die Stiftung über ein Mindestkapital verfügen muss, um den Erhalt der Villa überhaupt gewährleisten zu können. Unklar blieb, was das für den täglichen Betrieb der Villa Sträuli in Zukunft bedeutet. «Für uns war das eine Zeit der Unsicherheit», sagt Annelise Schmid. Vorbei ist diese Zeit noch nicht, das Team muss nun vermehrt selbst Gelder auftreiben, um das Kulturhaus in der bisherigen Art weiter betreiben zu können. «Das ist sehr schwierig, es gibt so viele Kulturprojekte, die Sponsoren brauchen.» In fünf Jahren ist dieses Niveau des Mindestkapitals, sofern es nicht zu einem anderen Vermächtnis kommt, etwa erreicht. Dass dieser Zeitpunkt mit der ungefähren Pensionierung von Annelise Schmid zusammenkommt, sei ein «etwas gesteuerter Zufall».

Für Annelise Schmid als Leiterin ist die Finanzierung immer wieder ein Thema, aber nicht nur. «Gewisse Projekte kamen ins Stocken, weil wir mitten in einem Wohnquartier liegen.» Konzerte und Bistrobetrieb bis spätabends gibt es deshalb nicht. Auch das aktuelle Projekt eines Ausstellungsraums im Hof kommt bei der Nachbarschaft nicht gut an. «Diese Herausforderungen halten das ganze Team auf Trab», sagt die Leiterin. Es ist deshalb auch noch nicht klar, was mit der Villa Sträuli in fünf Jahren geschieht. «Vielleicht eine Art Kunstschaffenden-Kompetenzzentrum mit Artists in Residence, Ausstellungsraum und Betreuung der städtischen Ateliers, die wir von der Kulturstiftung übernommen haben.» Bereits die Stifterin Doris Sträuli-Keller beherbergte nach dem Tod ihres Mannes Musikstudierende in ihrem Haus. Heute kommen sie aus aller Welt und können während drei Monaten Inspiration für ihre eigene Arbeit sammeln. Als ursprüngliche Filmemacherin wäre Annelise Schmid auch einmal gerne so unterwegs gewesen: «Jetzt kann ich es zumindest anderen Kunstschaffenden ermöglichen.»

Als sie die Stelle als Leiterin übernommen hat, war sie nebenbei in einem kleinen Pensum als Künstlerin tätig. Aber das sei keine Dauerlösung gewesen, weshalb sie sich dann entschieden habe, sich voll und ganz auf die Villa Sträuli zu konzentrieren. Ihr beruflicher Hintergrund als Künstlerin und Kunsttherapeutin hat ihr aber in ihrer Funktion sehr geholfen: «Ich verstehe, wie die Artists ticken und kann sie unterstützen oder mein Netzwerk anbieten.» Voraussetzung für ihre Funktion sei das aber nicht. «Die Zeit als Künstlerin vermisse ich manchmal», sagt sie. Trotzdem werde sie auch nach ihrer Pension keine professionellen Filme mehr machen, die Technik habe sich radikal verändert. «Aber ich mache sicher nicht Nichts.»

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