Auf einen Abschiedsdrink

mit Tobias Jordi

In den nächsten Monaten verlassen die jetzigen Mieter*innen das Alte Busdepot. Bald beginnen drei Genossenschaften hier mit dem Bau von 130 Wohnungen. Das Holzlabor war die letzten fünf Jahre Hauptmieterin. Was geht dir durch den Kopf, wenn du zurückblickst?

TJ: Erstmal sind wir den Menschen dankbar, die sich dafür eingesetzt haben, dass das Depot teilweise unter Schutz gestellt wurde, sich also nicht einfach abreissen liess, und der Stadt dafür, dass diese Zwischennutzung möglich war. Es gab hier Räume, die unkompliziert und mit wenig Geld genutzt werden konnten. So wurde das Busdepot zu einem Biotop, an dem unterschiedliche Menschen ihre kleinen und grossen Projekte umsetzen konnten. Wir wollten aktiv eine offene, einladende Atmosphäre schaffen. Das ist uns, glaube ich, gelungen.


Wie steht es um die jetzigen Mieter*innen? 

TJ: Sie sind in alle Richtungen gezogen. Der Deutschkurs des Solinetzes findet nun zum Beispiel im Graben statt. Sie zahlen da viel mehr Miete. Soweit ich weiss, kommt niemand mehr hierhin zurück. Das ist schade. Viele wären gerne geblieben.
Im Projektbeschrieb stand, es gäbe die Möglichkeit zu bleiben und es solle «mit dem Bestand gebaut werden». Das heisst für mich, nicht nur mit den alten Mauern, sondern auch mit den Mieter*innen. Wir haben versucht, uns einzubringen, was aber zu nichts führte. Das Depot hat eine lange Geschichte und ist ein Ort des Austausches. Es wäre wichtig, dies beizubehalten – für die Stadt und das Quartier.


Zwischennutzungen sind wichtig für die kulturelle und kreative Vielfalt einer Stadt. Wie wirkt sich die Schliessung des Alten Busdepots auf das Stadtleben aus?

TJ: Was sich in den letzten Jahren hier entwickelt hat, lässt sich kaum wieder herstellen. Wo sonst treffen in Winterthur Zirkusakrobat*innen auf Kanubauer*innen, Deutschlernende auf Filmemachende und Varietékünstler*innen auf Schreiner*innen. Die Nachfrage zeigt, wie gross das Bedürfnis nach günstigem und frei bespielbarem Raum ist. Die Stadt sollte sich aktiv darum bemühen, dass sie auf den freien Flächen, die sie besitzt, Nutzungen ermöglicht, bei denen Freiraum in der Gestaltung besteht. Die kulturelle und kreative Vielfalt, die dann entsteht, ist nicht planbar.


Und wo treffen wir das Holzlabor in Zukunft an?

TJ: Unsere Werkstatt haben wir bereits im November ins Thurtal nach Altikon gezügelt, in eine ehemalige Sägerei. Dort haben wir einen langfristigen Vertrag. Vor Kurzem haben wir erfahren, dass wir einige Monate länger im Busdepot bleiben können, da sich das Bauprojekt nochmals verzögert.
Die Wagenhalle wird vorerst bestehen bleiben, die Werkstatt möchten wir als Proberaum oder Auftrittsort für Gruppen oder Projekte (Zirkus, Artistik, Musik, Film etc.) anbieten. Interessierte dürfen sich gerne bei uns melden.


Die Wagenhalle zügeln wir Anfang 2025 in eine Zwischennutzung beim Eulachpark in Oberwinterthur. Ob der Zirkus Chnopf, das Theater Café Roulotte und das Fahrwerk Ö, die ihre Wagen auch im Busdepot untergestellt haben, mitzügeln können, ist noch unklar.

TOBIAS JORDI ist Gründer und Leiter des Holzlabors, das Menschen Platz zur Verfügung stellt, ihre eigenen Wagen zum Wohnen zu bauen. Die dazugehörige Werkstatt hat sich auf nachhaltige Holznutzung und Massanfertigungen spezialisiert.

ANNA KATINKA BERGER ist Redakteurin beim Coucou. Sie ist überzeugt, dass (Frei-)Räume Geburtsstätten für verrückte Ideen, grosse Utopien und soziale Verbundenheit sind.